Antarktisstation Bharati

Objekt:
Neubau einer Polarstation für Indien,
Larsemann Hills, Antarktis

Bauherr:
NCAOR, Indien

European Steel Design Award 2013
Ingenieurpreis des Deutschen Stahlbaus 2013

Weltweit offener Wettbewerb
12/06                                      
1.Preis

Bau- und Planungsdaten:
Baubeginn 12/2011
voraussichtliche Fertigstellung 03/2012

mit:
IMS Ingenieurgesellschaft mbH, Hamburg
m+p consult, Braunschweig

Visualisierung:
roomservice3d, Berlin

Text:
Fenster zum ewigen Eis - Die neue indische Polarstation in der Antarktis
Es ist eine dieser Aufgaben, bei denen man nicht weiß, ob man über die neue Globalitätsplage weinen oder lachen möchte. Standort der Polarstation ist eine Halbinsel in der Region der Larsemann Hills, im nördöstlichen Teil der Antarktis. Nicht gerade das Hauptrevier der Hamburger bof architekten (Bert Bücking, Patrick Ostrop, Ole Flemming). Aber der indische Auslober (!) vertraute wohl dem alten Hamburger Schlachtruf "Mein Feld ist die Welt!" und würdigte damit auch indirekt die Leistung deutscher Polarforscher. Das Anforderungsprofil war hoch: extreme Klimaverhältnisse, dazu eine ausgesprochene abseitige Grundstückssituation mit schwieriger Erreichbarkeit und eingeschränkten Transportmöglichkeiten.
Und als hätte dies nicht alles schon gereicht, schreibt der Antarktis-Vertrag für Forschungsstationen Autarkie bei der Energieerzeugung und korioserweise auch eine Wasserversorgung vor. Eine schöne, aber schreckliche Aufgabe, weil die Frage erlaubt ist, ob noch Raum für architektonische Ideen bleibt. Er bleibt, weil die Architekten ein technisches, aber logisches Ensemble aus 128 Containern vorschlagen, sozusagen eine integrierte Raumstruktur, die flexibel ist und nach dem Transport innerhalb des ausgesprochen kurzen antartischen Sommers (drei Monate) rasch montierbar ist.
Es könnte also ein großer Wurf werden, weil das Thema richtig angefasst wurde: Wegen der arktischen Kältegrade und starken Winde werden die Container mit einer klimaoptimierten und aerodynamischen Metallhaut zusätzlich umhüllt. Die Verglasungen an den Stirnseiten spendieren einen weiten Blick vom Speisesaal und der Lounge auf Eis und Meer. So entsteht das Labor als intellegente Maschine, nach dem Motto: Ich habe noch einen Koffer, pardon Container in der Antarktis. In den Sommermonaten können 40 Personen dort arbeiten, 15 können überwintern. In der ersten Ebene befinden sich die Wohn- und Aufenthaltbereiche mit 24 Einzel- und Doppelzimmern, eine Küche mit Speisesaal, eine kleine Bibliothek, Lager- und Waschräume, ein Fitnessraum, Büros und eine Lounge. Unten sind Labore, Lager, Technik, Energiezentrale und eine Garage mit Werkstatt untergebracht.
Die Station mit insgesamt 2400 Quadratmetern soll 2012 fertiggestellt sein. Man darf gespannt sein, wie sich dieser Hamburger Exportschlager entwickelt.

Meyhöfer, Dirk, Architektur in Hamburg Jahrbuch 2007, Junius Verlag