Friedhofscafé, Neumünster

Objekt:
Neubau Café auf dem Süd-Friedhof, Neumünster

Auftraggeber:
Ev.Luth. Kirchengemeinde Neumünster

Mehrfachbeauftragung:
11/2006
2.Preis


Erläuterungstext:

Die Idee
Ein neu gebautes Café auf dem Südfriedhof Neumünster lädt unterschiedliche Menschen zu einem Besuch ein: Die "normalen" Besucher, die eine ruhige begrünte  Umgebung und einen schönen Raum schätzen und die Menschen, die gerade eine Beerdigung erlebt haben. Besonders diesen Menschen soll das Café einen Ort der Sammlung bieten und helfen diese schweren Stunden gemeinsam zu meistern.
Wir möchten dem besonderen Ort des Friedhofes und den Menschen, die dorthin gehen, mit unserem Entwurf Rechnung tragen.
 
Das Gebäude
Das neue Café liegt etwas zurück gesetzt von der Plöner Straße auf einer Wiese mit einer Baumkulisse im Hintergrund. Information, Blumenladen und die Beratungsstelle sind für den Ankommenden von außen gut erkennbar. Die sich kreuzenden Wege weiten sich dort zu einem kleinen Platz.
Der Eingang befindet sich im großen Innenhof, der von Stelen gerahmt ist. Bei schönem Wetter erlaubt er es den Gästen, draußen zu sein, ohne das Gefühl zu haben, unmittelbar auf dem Friedhof zu sitzen. Die Stelen aus Holz gewähren einen gefilterten Blick in die umgebende Natur und bieten dennoch ausreichend Schutzraum.
Vom Innenhof aus gut ablesbar, erkennt man den Gastraum des Cafés zwischen den beiden massiven flacheren Baukörpern, die es rahmen und sein Dach wie selbstverständlich stützen.
Durch den Eingang gelangt man in den Flur, der zwei getrennte Eingänge für Café-Besucher und Besucher einer Trauergemeinde bietet.
Im Café erlebt man den Durchblick in nördliche und südliche Richtung und entdeckt den zweiten, zum Wald hin orientierten Innenhof. Er ist kleiner als der erste Hof und von außen nicht zugänglich - ein Ort der Stille. Auch er ist von Stelen eingefasst und kann, ähnlich wie ein japanischer Garten, mit wenigen Elementen - ein Baum, ein kleiner Teich, Kies, ein paar ausgesuchte Findlinge - dem Auge Ruhe bieten.  Zudem ist dieser Hof der Trauergemeinde als Außenbereich gedacht.
Erst jetzt bemerkt man vielleicht, dass das Licht nicht nur durch die beiden großflächig verglasten Fassaden zu den Innenhöfen fällt. Die Decke sitzt nicht auf den Wänden auf, sondern ist durch eine umlaufende bandartige Fensterfuge erhoben und scheint fast über den Köpfen zu schweben. Sonne, Wolken und die umliegenden Bäume werfen ihr Licht- und Schattenspiel auf die hölzernen Innenflächen der Dachhaube.
Der Gastraum des Cafés ist höher als die beiden rahmenden flacheren Baukörper, die ihn flankieren und wie selbstverständlich stützen.
Drei raumhohe Wendeflügel gliedern den klaren Innenraum. Wenn sie geöffnet sind, schaffen sie Nischen ohne den Durchblick zu stören. Im geschlossenen Zustand ermöglichen sie ein ungestörtes Nebeneinander von Trauergemeinde (30 bis 40 Plätze) und normalem Cafébetrieb (15 Plätze).

Freiraum
Es besteht die Möglichkeit den zu engen Parkplatz parallel zur Straße in Richtung der Verwaltung zu erweitern und damit auch einen neuen Besuchereingang auf das Gelände des Friedhofs zu formulieren. Das derzeitige Pförtnerhäuschen könnte entfallen, seine Nutzung ist in den Neubau integriert. Bereits vom Parkplatz aus kann auch der Ortsfremde die Information sofort erkennen, es ergibt sich eine leichte Orientierung.

Das Gebäude - Entwurf
Zwei massive, steinerne Kuben sind um die Breite des Cafés von einander abgerückt. Der eine beinhaltet die Küche mit allen dazugehörigen Nebenräumen, der andere die Information, einen kleinen Blumenladen, ein Büro für Beratungsgespräche und die Toiletten für die Cafébesucher.
Das Café ist als teilbarer Raum - für gleichzeitigen Cafébetrieb und Trauerfeier- konzipiert. Im geteilten Zustand sind beide Hälften unabhängig voneinander von der Küche aus bedienbar. Gegenüber dem Eingang ins Café befindet sich eine in die Wand eingelassene Theke, welche von der rückwärtigen Küchenseite angedient wird. Die Küche ist abweichend dem Raumprogramm den Anforderungen eines Friedhofcafés angepasst.
Ein zweiter Zugang  vom Eingangsflur aus garantiert ein diskretes Betreten und Verlassen beider Caféteile.
Die jeweils angrenzenden geschützten Außenbereiche haben durch ihre Lage, Größe und Orientierung sehr unterschiedliche Qualitäten. Über den größeren Hof auf der Nordseite kann das Café sowohl von Westen als auch von Osten her betreten werden. Hier ist ‚sich Treffen' und Austauschen möglich.
Der Südhof ist etwas kleiner und dient einer Trauergemeinde als ‚Ort der Stille'.
Der Caféraum wird über die großzügig verglasten Kopfseiten belichtet. Ein umlaufender Oberlichtstreifen lässt das Licht an den hölzernen Wänden der Dachkonstruktion einfallen. Dadurch ergibt sich hier eine sehr angenehme und warme Lichtstimmung.